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{"id":3104,"date":"2020-09-04T13:53:44","date_gmt":"2020-09-04T13:53:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.morgenland-abendland.com\/?p=3104"},"modified":"2020-09-04T14:06:51","modified_gmt":"2020-09-04T14:06:51","slug":"mehrsprachigkeit-und-muslimische-gelehrte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.morgenland-abendland.com\/?p=3104","title":{"rendered":"Mehrsprachigkeit und Muslimische Gelehrte"},"content":{"rendered":"<p>Von Mohammad Yousuf<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte die Ehre, Fuat Sezgin zu treffen, einen renommierten arabisch-islamischen Wissenschaftler, der aus der T\u00fcrkei stammte, aber in Frankfurt lebte und arbeitete. Ich habe ihn Ende der 70er Jahre in Frankfurt getroffen, um die M\u00f6glichkeit einer Promotion unter seiner Anleitung zu besprechen. Leider konnte ich es nicht tun, als ich kurz darauf Deutschland verlie\u00df.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sezgin starb im Juni 2018 im reifen Alter von 94 Jahren in Istanbul. Seine bekannteste Publikation ist die 17-b\u00e4ndige \u201eGeschichte des Arabischen Schrifttums\u201c bis zum 11. Jahrhundert. Dieses umfangreiche Werk enth\u00e4lt nicht nur Werke \u00fcber Koran, Hadith und Fiqh, sondern auch \u00fcber Wissenschaften wie Mathematik, Astronomie, Medizin usw. Er gr\u00fcndete das Institut f\u00fcr Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften in Frankfurt, das heute die weltweit umfassendste Sammlung von Texten zur Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaft beherbergt. Die sprachlichen F\u00e4higkeiten von Sezgin waren bemerkenswert. Er kannte mehr als 20 Sprachen, darunter Syrisch, Hebr\u00e4isch, Latein, Arabisch, Deutsch, Englisch usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ferner hatte ich das Privileg, den renommierten Islamwissenschaftler Mohammad Hamidullah aus Hyderabad zu treffen, der Indien nach der Teilung 1947 verlassen hatte und sein ganzes Leben im Exil in Paris, Frankreich, lebte. Ich traf ihn und h\u00f6rte Mitte der 70er Jahre seine Vorlesungen in Aachen, die er in mehreren Sprachen gleichzeitig hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er war ein kleiner und gebrechlicher Mensch, aber sehr gro\u00df und stark in seinen Beitr\u00e4gen zur Islamwissenschaft. Er war nicht verheiratet, sondern widmete sein ganzes Leben dem Islam. Er starb im Dezember 2002 im reifen Alter von 94 Jahren in Florida, USA. Hamidullah kannte \u00fcber 20 Sprachen, und es wird berichtet, dass er die Thal-Sprache im Alter von 84 Jahren lernte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu seinen ber\u00fchmten und wichtigen B\u00fcchern geh\u00f6ren das \u201eerste schriftliche Grundgesetz\u201c in englischer Sprache und \u201edas Leben des Propheten\u201c in franz\u00f6sischer Sprache. Er \u00fcbersetzte den Koran ins Franz\u00f6sische.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kehren wir einigen Jahrhunderten zur\u00fcck, so finden wir den ber\u00fchmten mehrsprachigen Gelehrten Ab\u016b Ray\u1e25\u0101n Mu\u1e25ammad ibn Ahmad Al-B\u012br\u016bn\u012b, der 1050 AD starb. Er stammte aus Khwarazm, einer Region, die an Usbekistan und Turkmenistan grenzt. Er sprach Persisch, Arabisch und Sanskrit und konnte auch Griechisch, Hebr\u00e4isch und Syrisch. 1017 reiste er nach S\u00fcdasien und verfasste eine enzyklop\u00e4dische Studie \u00fcber die indische Kultur mit dem Titel <em>\u201eTa\u1e25q\u012bq m\u0101 li-l-hind min maq\u016blah maqb\u016blah f\u012b al-\u02bfaql aw mardh\u016blah\u201c<\/em> (\u00dcberpr\u00fcfung von allem, was die Inder erz\u00e4hlen, das Vern\u00fcnftige und das Unvern\u00fcnftige). Heute wird Al-Biruni als \u201eBegr\u00fcnder der Indologie\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese drei muslimischen Gelehrten haben drei Gemeinsamkeiten. Sie waren Nicht-Araber, polyglott und zur gleichen Zeit gro\u00dfe Gelehrte auf Arabisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt dar\u00fcber hinaus viele Beispiele f\u00fcr mehrsprachige muslimische Gelehrte aus der Fr\u00fchzeit des Islam.\u00a0Nachdem der Prophet (Friede sei mit ihm) nach Medina ausgewandert war, erhielt er Delegationen und Briefe von verschiedenen nicht-arabischen Herrschern und V\u00f6lkern. Er riet Zayd bin Thabit, einem der Schriftgelehrten der Offenbarung, Hebr\u00e4isch und Syrisch zu lernen, um zu verstehen, welche Botschaften sie enthielten, und um auf die Briefe zu antworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Muslime sind sich bewusst, dass alle Sprachen ein Segen Gottes sind, wie im Koran erw\u00e4hnt. \u201cUnd unter Seinen Zeichen ist die Sch\u00f6pfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen f\u00fcr die Wissenden.\u201d (Der Heilige Koran, Sureh 20, Vers 22).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus islamischer Sicht werden wir daher ermutigt, so viele Sprachen wie m\u00f6glich zu lernen, um nicht nur unsere Religion, sondern auch die Welt um uns herum besser verstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige muslimische Gelehrte sind schlie\u00dflich der Ansicht, dass der Koran besonderen Wert auf das Erlernen der arabischen Sprache legt: \u201eWir haben es (das Buch) wahrlich als einen arabischen Koran niedergesandt, damit ihr begreift\u201c (Der Heilige Koran, Sureh 12 , Vers 2).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Mohammad Yousuf machte seine Magister in Islamwissenschaft und Iranistik 1979 an der Freien Universit\u00e4t in (damals West) Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Mohammad Yousuf[1] Ich hatte die Ehre, Fuat Sezgin zu treffen, einen renommierten arabisch-islamischen Wissenschaftler, der aus der T\u00fcrkei stammte, aber in Frankfurt lebte und arbeitete. 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